1215 wurde der Überlieferung nach mit dem Bau der Nicolaikirche unter der Herrschaft des Landgrafen Hermann I. begonnen. Sie wurde dem Heiligen Nikolaus (Patron der Schiffer) geweiht.
Es gibt allerdings auch Ansichten, dass schon 1210 damit begonnen wurde (oder noch früher).

Der erhaltene prächtige romanische Chorraum mit den sieben Rundbögen der Fenster ist älteste Teil der Kirche und vermittelt einen Eindruck, welche Ausmaße diese Landgrafenkirche erreichen sollte. Das Kirchenschiff wurde kürzer, als ursprünglich geplant, angebaut und die Kirche hatte zunächst keinen Turm.

Der Turmbau erfolgte erst 1428 und er hatte ein niedriges Dach, ähnlich wie heute.
Eine Steintafel außen am Turm besagt: „ANO DM MCCCCXXVIII SA BBTO PTS FESTV NATIVITAT IS STI IOHIS BABTISTE INCEP TV EST OPVS HVIS TVRRIS.“
Auf Deutsch heißt das: „Im Jahre des Herrn 1428 am Sabatt vor dem Feste der Geburt des heiligen Johannes des Täufers (24. Juni) ist der Bau dieses Turms begonnen.“
1523 wurde dann eine achtseitige schiefergedeckte Haube aufgesetzt, so dass der Turm etwa 63 m hoch war.

1524 soll es die erste evangelische Predigt in der Nicolaikirche gegeben haben, nachdem sie ein Jahr zuvor noch dem Prediger Albert von Kempen durch die Nonnen verboten worden war und er in die Liboriuskapelle ausweichen musste.

Die Kirche überstand unversehrt mehrere große Brände der Stadt, aber am 27. März 1765 (also vor 250 Jahren) brannte sie mit ab. Ausgelöst wurde der Brand durch den leichtsinnigen Umgang mit Schwarzpulver durch den jungen Johannes Andreas Köhler, der das Pulver in ein ausgehöhltes Stück Holunderholz gestopft und angezündet hatte. An diesem Morgen des 27. März 1765 wehte ein starker Wind und verbreitete das Feuer vom Süden her (Eisenacher Tor) über die ganze Stadt. Es gab noch keine Feuerwehr und die eng aneinander stehenden Fachwerkhäuser, Ställe und Scheunen brannten mit solcher Glut, dass Löschversuche fast wirkungslos blieben (es gab 8 Tote).
Goethe zeichnete 1779 eine Ansicht der zerstörten Kirche. Er war erschüttert von dem Anblick der Stadt und der Not der Bevölkerung.

Zur nächsten Katastrophe für diese Creuzburger Kirche wurden der 1. und 2. April 1945 (Ostern). Weniger als  100 deutsche Soldaten und Männer aus dem „Volkssturm“ wollten an der Werra die Niederlage des faschistischen Reiches noch aufhalten.  Sie sprengten auch die historische Werrabrücke und beschädigten dabei die Liboriuskapelle schwer.  Die Stadt wurde zu 73 Prozent beim Angriff der Amerikaner zerstört.

Die Kirche musste nach dem Krieg zuerst in ihren wichtigsten Teilen notgesichert werden. Deshalb erhielten der romanische Chor 1948 und der Turm 1953 ein Dach zum Schutz gegen die Witterung. 1968 trug dann auch das Kirchenschiff eine Stahlkonstruktion für das einfachere Dach und 1970 konnte es gedeckt werden. Vorher war der Wohnungsbau wichtiger in der zerstörten Stadt, als der Wiederaufbau der Kirche. Die Liboriuskapelle wurde 1955 wieder eingeweiht.

Ab Herbst 1981 konnte die Kirche wieder für Gottesdienste genutzt werden. Bis dahin war die Gottesackerkirche die Ausweichkirche. Weihnachten 1981 wird als „Wiedereinweihung“ angesehen und wurde auch so erwähnt.

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